ILLUMINATUS - Die Wiedergeburt

von Stefan Kleinschmidt (2/98)



Neulich laufe ich nichts böses ahnend durch eine meiner Lieblingsbuchhandlungen als ich plötzlich drei bunt aufgemachte Bücher mit einem Titel, der mir äusserst bekannt vorkam, im SF-Regal stehen sah. Ich sah genauer hin und tatsächlich, es war die gute, alte Illuminatus Trilogie von Robert Shea und Robert Anton Wilson, im neuen Outfit.
Welche geheimen, hinterlistigen Komplotte welcher Verschwörung steckt wohl hinter dieser Neuausgabe, die im Dezember letzten Jahres vom Rowohlt-Verlag herausgegeben wurde? Und das genau 23 Jahre nach der Erstveröffentlichung! Nein, hier soll jetzt keine neue Verschwörung aufgedeckt werden, vielmehr soll hier diese Trilogie noch einmal vorgestellt werden. Dies soll vor allem als Anreiz für diejenigen sein, die Illuminatus noch nicht kennen, sich aber schon lange fragten, wer hinter dem ganzen Chaos auf der Welt steckt, wer die Person ist, die vertrauenswürdiger ist als Buddha, Krishna oder Jesus, wer John F. Kennedy wirklich erschossen hat und warum zum Teufel die ILLUMINATI NWO-Spieler eigentlich alle so verrückt sind?
Beim Lesen der drei Bücher namens Das Auge in der Pyramide, Der goldene Apfel und Leviathan lernt man viele ausserordentlich interessante Persönlichkeiten kennen, wie zum Beispiel die Detectives Saul Goodman und Barney Muldoon, den Multimillionär und Indeterministen Hagbard Celine (Traue niemals einem Menschen mit den Initialen H.C.!), der die Leif Erikson, ein riesiges, gelbes Unterseeboot kommandiert, die absolute Superhure Tarantella Serpentine, den Zwerg namens Markoff Chaney alias The Mgt. , die amerikanische Top-Band A.M.A. (American Medical Association), den britischen Geheimagenten Fission Chips, Berühmtheiten wie John Dillinger, Carl Jung, H.P. Lovecraft, George Washington und Malaclypse dem Jüngeren, Autor der Principia Discordia (Ein Public Domain Buch, u. a. erhältlich bei Steve Jackson Games und im Internet -, einfach mal suchen lassen) sowie einige mehr oder weniger freundliche Entitäten wie Yog Sothoth, Leviathan und Eris, der griechischen Göttin der Zwietracht.
Diese Personen und noch viele mehr spielen alle ihre Rolle in dem grossen Verwirrspiel, um Macht, Transzendenz, ewiges Leben, die Weltherrschaft und Anarchie, das mit einem mysteriösen Bombenanschlag auf das Büro einer linken Zeitschrift namens Confrontation beginnt. Beim Versuch, dieses Attentat aufzuklären, werden Saul Goodman und Barney Muldoon immer tiefer in die Ereignisse verstrickt und eine pralle Erzählung, die alles von einem guten SF-Roman, einem Polit-Thriller und einem Zen-Lehrbuch in sich hat, entfaltet sich vor dem staunenden Leser. In einem psychedelischen Wechselbad zwischen Lachen und Schrecken jagt die Handlung von Schauplatz zu Schauplatz, von Perspektive zu Perspektive, von Enthüllung zu Vertuschung über Sex, Drogen und Quantenphysik und wieder zurück. Mit der Zeit baut sich so ein schier unüberschaubares Geflecht von Verschwörungen, uralten Kulten und Ereignissen auf, die zum Teil bis in die Morgendämmerung der Menschheit zurückreicht, dessen Fäden auf einem gigantischen Rockfestival bei Ingolstadt zusammenlaufen. Illuminatus schickt den Leser dabei durch alle 23517 Pforten der Wahrnehmung und offenbart solche weltbekannten Geheimnisse, wie die Pyramide auf den Dollarschein kam, oder warum manche Leute behaupten, Adam Weishaupt wäre nach Amerika emigriert und hatte die Identität von George Washington, des ersten Präsidenten der USA angenommen. Fnord.
Für INWO-Spieler quasi eine Pflichtlektüre, ist die Illuminatus-Trilogie für alle ein Muss, die gerne ihre Phantasie und ihre Weltsicht an ihre Grenzen und vielleicht darüber hinaus führen. Bis jetzt hat diese Trilogie noch jeden Leser, den ich kenne, verändert. Außerdem erfahrt Ihr endlich die Wahrheit über die Fnords, den golden Apfel der Eris und die 23! Heil Eris, ewig heil Diskordia!